DEUTSCHLAND/MALI/SÜDAFRIKA


Köln-Premiere


Zentrum für zeitgenössischen Tanz Köln


22.06.2019  20:00 Uhr TICKETS


Preis: VVK 14 € / 9 € (erm.) AK 18 € / 12 € (erm.)


Dauer ca. 1 h 20 min


SIGNIFYING GHOSTS

EX-SITU, NULLSTELLE, Fake N.E.W.S.

In seinem Werk „Marx‘ Gespenster“ entwickelt Jacques Derrida einen Diskurs des Gespenstischen, der eine mediale Figur des Dazwischen meint, „die eine Beziehung herstellt, ohne sich selbst fixieren zu lassen“. Das deutsch-afrikanische Austauschprojekt Signifying Ghosts nimmt Derridas Denkfigur als Ausgangspunkt für die interkulturelle Begegnung zwischen drei Choreografinnen und ihren Ensembles. 

 

Zusammen mit dem Zentrum Donko Seko in Bamako/Mali, der Hochschule für Musik und Tanz in Köln und dem Theater im Ballsaal Bonn schafft CocoonDance mit Signifying Ghosts einen experimentellen Begegnungsraum, in dem die Choreografinnen und ihre Performer*innen parallel Projekte entwickeln und jeweils zeitweise den anderen Choreografinnen überantworten. Die kreative Zusammenarbeit findet in dem so entstehenden Zwischenraum statt, der den kulturwissenschaftlichen und postkolonialen Theorien des "Liminalen" (Victor Turner) oder auch denen des „Dritten Raums“ (Homi Bhabha) entspricht. So wurden in zwei vorangegangenen Phasen in Bamako, in Köln und Bonn drei Stücke erarbeitet, von denen zwei bereits beim Festival DENSE BAMAKO DANSE zur Uraufführung kamen.

 

EX-SITU von CocoonDance ist entstanden aus der erneuten Lektüre einer bestehenden Arbeit von CocoonDance – No Body but me – die sich mit der inszenierten Lust am Anblick menschlicher Körper und vor allem der kompletten Auflösung von Körpern in Ekstase befasste. Die neue Sicht darauf führt die heterogenen Körper nun zu einem Ganzen zusammen, zu einem Organismus, zusammengehalten durch Haut, Zellen, Organe und Glieder.

 

Choreografie Rafaële Giovanola Von und mit Ibrahima Camara, Fa-Hsuan Chen, Martina De Dominicis, Álvaro Esteban, Léonce Konan Noah, Werner Nigg, Sanga Ouattara Komposition Jörg Ritzenhoff Kostüme Rafaële Giovanola, Fa-Hsuan Chen Lichtdesign Florent Blanchon

 

 

NULLSTELLE: Wenn Sie sich mit Darsteller*innen auf der Bühne unterhalten könnten, was würden sie über das, was sie tun, erzählen? Ibrahima Camara und Werner Nigg trafen sich als Tänzer im Projekt Signifying Ghosts. In verschiedenen Ländern geboren, teilen sie die Leidenschaft für Tanz. Sie begeben sich in den Prozess in der Überzeugung, dass Zusammenarbeit, das Teilen von Ideen die Quelle jeder kreativen Anstrengung ist. Die Performer bieten ihr Verständnis von zwei Personen an, das mehr als zwei Menschen sein kann. Sie füllen den Aufführungsraum mit Versionen oder Echos von sich selbst, wodurch die "nur zwei" die Anwesenheit von anderen offenbaren. Im Zentrum von "Nullstelle" steht die direkte Beziehung zwischen Erinnerung und Identitätssinn. Die Performer berühren die Nullstelle – ohne Kontinuität.

 

Choreographie Vera Sander Tanz Ibrahima Camara, Werner Nigg Musik Dirk Specht Lichtdesign Florent Blanchon

 

 

Fake N.E.W.S. von Nelisiwe Xaba (Johannesburg) rückt das projizierte Bild, den Screen in den Fokus – als eine magische Box, als überwältigende Lichtkreatur, die dem menschlichen Körper gegenübergestellt wird. Der Bildschirm wird zur Realität, er verwandelt Körper in göttliche Wesen. In „Fake N.E.W.S.“ findet der Tanz in Echtzeit statt und stellt das Publikum kontinuierlich vor die Entscheidung, zwischen dem Bild und der Live-Performance zu wählen.

 

Choreographie Nelisiwe Xaba Tänzer Martina De Dominicis, Álvaro Esteban, Greta Salgado

 

 

Künstlerische Gesamt-Leitung Rafaële Giovanola, Kettly Noël Dramaturgie Rainald Endraß Produktionsleitung Daniela Ebert Management Mechtild Tellmann

 

 


 

SIGNIFYING GHOSTS wird gefördert im Fonds TURN der Kulturstiftung des Bundes sowie durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, die Bundesstadt Bonn, die Kunststiftung NRW, das Theatre-ProVS, Le Conseil de la Culture Etat du Valais und La Loterie Romande. In Koproduktion mit dem Goethe-Institut (Internationaler Koproduktionsfonds) und dem Kunstfest Weimar.

 

 

CocoonDance wurde im Jahre 2000 von der Choreografin und Tänzerin Rafaële Giovanola und dem Dramaturgen Rainald Endraß gegründet. Seither sind mehr als 30 abendfüllende Produktionen entstanden, die mittlerweile auf fünf Kontinenten gastierten. CocoonDance verfügt über ein beständiges, aber auch sich erweiterndes Netzwerk von nationalen und internationalen Kooperationspartnern in Südamerika, mehreren afrikanischen Länder, der Schweiz und Deutschland. Im Rahmen der 3-jährigen Residenz Triennale arbeitet CocoonDance seit 2016 im Schweizer Kanton Wallis mit verschiedensten Gruppierungen aus dem professionellen, wie auch aus dem Laienbereich zusammen.  2018 war CocoonDance mit der Produktion „MOMENTUM“ zur Tanzplattfom in Deutschland auf PACT Zollverein in Essen eingeladen. Über seine Aktivitäten als professionelle Company hinaus versteht sich CocoonDance innerhalb des Theaters im Ballsaal als Schnittstelle und Wirkungsbereich verschiedenster Felder des zeitgenössischen Tanzes/ wie Gastspielreihen, Residenzprogramme sowie verschiedenste Projekte kultureller Bildung. CocoonDance hat sich so zu einer Institution mit weitreichender Vernetzung nicht nur im künstlerischen, sondern auch im kulturellen Bildungsbereich entwickelt. Darunter sind Projekte der Kunstvermittlung, die zum Teil erst originär ausgeformt wurden, wie die Bonner Junior Company THEY MIGHT BE GIANTS, das TANZFONDS PARTNER-Projekt EXPRESS YOURSELF und einzigartige Festivalformate wie INTO THE FIELDS (seit 2012) und das Internationale Bonner Tanzsolofestival (seit 2009).