BURKINA FASO


Französisch mit deutscher Übertitelung


ONLINE DEUTSCHLAND-PREMIERE 


Dauer: ca. 1h 45m


04.06.2021  21:00 Uhr TICKETS STREAM

05.06.2021  19:30 Uhr TICKETS STREAM


VVK + AK 22/12€ (erm.) 

LIVE-STREAM ab 10 €


ONLINE/LINK ZU TICKETS/EVENT HIER AB 4.6.


LE SYNDROME DE LA PINTADE – DAS PERLHUHNSYNDROM

Musikalische Performance von Smockey und Serge-Aimé Coulibaly

Le syndrome de la pintade ist die erste große Musiktheaterproduktion des burkinischen Rappers und Aktivisten Smockey. Als Mitbegründer und Sprecher der Bürgerbewegung „Le balai citoyen“ (Der Bürgerbesen) war er einer der führenden Köpfe des Aufstands im Oktober 2014, als sich die Bevölkerung gegen den Langzeitdiktator Compaoré auflehnte und ihn innerhalb von 5 Tagen aus dem Land jagte. Le syndrome de la pintade verarbeitet Erfahrungen aus dieser Zeit: Hat es sich gelohnt? Was ist aus der gemeinsamen Stärke und dem Zusammenhalt der Bevölkerung geworden? Welche Formen von Demokratie könnten für die burkinische Gesellschaft relevant sein?


„Demokratie funktioniert nicht, weil ihre Grundlagen von den Eliten, die unter dem gleichgültigen Blick der Bevölkerung agieren, nicht respektiert werden. Was unsere Herrscher betrifft, die an der Spitze der so genannten demokratischen Systeme stehen, müsste alles neu wieder aufgestellt oder gar neu erfunden werden...“ (Smockey)


Laut Smockey haben Perlhühner viele Gemeinsamkeiten mit den politischen Eliten. Ihr schönes Gefieder wird im Westen wie auch in Afrika mit den Mänteln der Könige verglichen. „Neben dieser herrlichen Erscheinung hat das Perlhuhn ein besonderes Verhalten: Mit seinem Hochmut ist es oft Stress und Panik ausgesetzt, was zu unkoordinierten Bewegungen führt. Wären die Eliten wie die Perlhühner schlechte Mentoren, die in einem Moment des Stresses oder der Panik in der Lage wären, die eigenen Kinder zu zerquetschen?“ (Smockey)
Die musikalische Performance, eine Mischung aus Rap, Livemusik und Märchen mit traditionellen Elementen und einer gehörigen Portion Humor nutzt die Allegorie des Perlhuhns, um das Publikum dazu einzuladen, sich mit dem aktuellen demokratischen Spiel und seinen Widersprüchen/Absurditäten, dem Verhältnis der Eliten zum Volk und den Bestrebungen der Bevölkerung auseinanderzusetzen, die unter einer zunehmend instabilen Sicherheits- und Ernährungslage leidet. Gleichzeitig wird das Prinzip der aktiven Bürgerschaft postuliert: die Macht muss der Bevölkerung zurückgegeben werden.


Smockey: „In Zeiten, in denen das wirkliche Funktionieren von Demokratien in Frage gestellt werden muss, in denen Entscheidungen von oben nach unten ohne wirkliche Beteiligung der Bevölkerung üblich sind, in denen Verfassungen zugunsten dessen geändert werden sollen, was die herrschenden Mächte entscheiden, ohne die komplexen Folgen dieser Entscheidungen zu respektieren oder zu berücksichtigen, ist es unabdingbar, einen kritischen und komplexen Standpunkt zu fördern und die Rechte der Menschen auf freie Meinungsäußerung zu unterstreichen. Wir wollen unsere künstlerische Reflexion in einer globalen Welt teilen, in der die großen Einflüsse aufeinander und Abhängigkeiten voneinander nicht vernachlässigt werden können. Welche Herausforderungen haben wir gemeinsam, was sind unterschiedliche Aspekte? Schlechte Regierungsführung ist ein relevantes Thema, über das v.a. unsere afrikanischen Herrscher nichts hören wollen, da es für sie ein dämonisches Thema ist, das sie daran hindert, ruhig zu schlafen. Aber im Sinne des Erwachens und der Selbstbestimmung ist es eine Pflicht für uns Völker sich damit auseinander zu setzen, um zu existieren. Wir - als Künstler - haben eine wichtige Rolle und die Pflicht, uns und den Menschen die Augen zu öffnen, und der interkulturelle Austausch ist die Grundlage für eine Komplexität, die wir nicht finden könnten, wenn wir uns auf der eigenen Position ausruhen würden. Deshalb brauchen und wollen wir viel Austausch innerhalb eines internationalen Teams, in Diskussionen, Ideen und Auseinandersetzungen rund um die Inszenierung und später gemeinsam mit dem Publikum in verschiedenen Ländern. Die Notwendigkeit dafür liegt auf beiden Seiten. Die Relevanz des Themas Demokratie und die Art und Weise, wie sie von unseren Machthabern umgesetzt bzw. missbraucht wird, hat durch die weltweite Krise des Covid 19-Virus sogar noch zugenommen…“


Smockey war bereits 2015 mit dem Stück Nuit blanche à Ouagadougou und 2017 beim dialogFORUM von africologne zu Gast. Mit Serge Aimé Coulibaly verbindet uns eine lange Zusammenarbeit: Er war 2015 mit seinem Tanzsolo Fadjiri und mit Nuit blanche à Ouagadougou in Köln und 2017 mit seiner großen Tanzperformance Kalakuta Republik (koproduziert von africologneFESTIVAL).

TEXT UND KOMPOSITION Serge Martin Bambara alias Smockey | KÜNSTLERISCHE LEITUNG Serge Aimé Coulibaly | PRODUKTIONSLEITUNG Abass Tapsoba | MUSIKALISCHE LEITUNG Didier Awadi | LICHT Hermann Coulibaly | TON Ouindpayangde Eliezer Oubda | BÜHNE Issa Ouedraogo | KOSTÜME Adjara Samandoulgou | HUMORISTEN Philomaine Nanema, Ousmane Bamogo | LIVE-MUSIK Smockey, Ouedraogo Kiswendsida Ousmane, Bantagnon Latiegri Hamidou, Soudre Elie, Soudre Elise, Issouf Dembele | ÜBERSETZUNG Alassane Kiemtoré/Axel Brauch | PRODUKTION Case En Beton in Koproduction mit africologneFESTIVAL Köln, Les Francophononies - Des écritures à la scène GEFÖRDERT durch den Fonds Transfabrik