ÖSTERREICH/DEUTSCHLAND

BURKINA FASO


Deutsch

(französ. Passagen deutsch übertitelt)


NRW-Premiere


Schauspiel Köln (Depot 2) 


 

 

22.06.2019 19:00 Uhr TICKETS

23.06.2019 18:00 Uhr TICKETS


Preis: VVK 17/9 € + AK 22/12€ (erm.) 


Dauer ca. 2 h 


 

 

DIE REVOLUTION FRISST IHRE KINDER!

Ein Theaterprojekt von Jan-Christoph Gockel & Ensemble

Die Revolution frisst ihre Kinder! erzählt von einer Theatertruppe, die 2014 mit Büchners Dantons Tod im Gepäck nach Burkina Faso reist, um die Werte der europäischen Aufklärung nach Afrika zu bringen und dabei in einen Bürgeraufstand gerät, der den Langzeitdiktator in die Flucht treibt. Französische Revolution und burkinischer Aufstand berühren sich. Die Künstler*innen treffen reale und fiktive Personen und kommen dem Mythos um den charismatischen Unabhängigkeits-kämpfer und 1987 ermordeten Präsidenten Thomas Sankara immer näher. 

Mutmaßlich war Sankaras Nachfolger Blaise Compaoré an der Ermordung Sankaras beteiligt und regierte Burkina Faso danach 27 Jahre lang – bis er 2014 gestürzt wurde.

Nach dem Miterleben des Aufstands, der zur Flucht des damaligen Präsidenten Compaoré ins Nachbarland Elfenbeinküste führt, scheint es der Truppe geradezu vermessen, den politischen Aktivist*innen etwas von „Werten“ und „Revolution“ erzählen zu wollen. 

Im Stil einer Fake-Dokumentation setzt sich das Ensemble mit den neuen Gegebenheiten im Land auseinander und blickt zugleich humorvoll hinter die Kulissen eines Stadttheaterbetriebs.

„Setzt die Leute aus dem Theater auf die Gasse“, heißt es in Georg Büchners Revolutionsstück Dantons Tod. Und so entstand in Koproduktion mit dem Schauspielhaus Graz, africologneFESTIVAL und dem Theater im Bauturm Köln im Oktober 2018 auf Reisen und im Atelier Théâtre Burkinabè in Burkina Faso die neue Inszenierung von Jan-Christoph Gockel. Vier Wochen lang bewegte sich 2018 das Produktionsteam in Burkina Faso auf den Spuren des dortigen Bürger-Aufstands, den Gockel 2014 selbst miterlebte. Auf der Reise wurde recherchiert, interviewt, musiziert und im Austausch mit den Burkinabè geprobt. Die eindrücklichen Erfahrungen der Revolte werden in Die Revolution frisst ihre Kinder! sowohl theatral als auch filmisch verarbeitet. 

Jan-Christoph Gockel inszenierte 2014 die africologne-Produktion Coltan-Fieber mit Arbeitsetappen in Burkina Faso und den beiden Kongo-Republiken, 2017 folgte dann Der siebte Kontinent. Reise zur größten Mülldeponie der Erde. Die Revolution frisst ihre Kinder! ist die dritte Arbeit, die in Kooperation mit africologne und dem Theater im Bauturm entstand.

 

Inszenierung Jan-Christoph Gockel Bühne und Kostüme Julia Kurzweg Puppenbau Michael Pietsch Video Eike Zuleeg Licht Thomas Trummer Dramaturgie und Projektleitung Jennifer Weiss  Tourmanagement Gerhardt Haag  

Mit Julia Gräfner, Florian Köhler, Raphael Muff, Michael Pietsch, Evamarie Salcher, Komi Mizrajim Togbonou

 


Schirmherrschaft Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer Produktion Schauspielhaus Graz in Koproduktion mit africologneFESTIVAL und Theater im Bauturm Köln Gastspiel in Köln in Kooperation mit Schauspielhaus Graz und Schauspiel Köln

 

 

Pressestimmen

„Der Stück ist ein wilder Hybrid, raubt einem dem Atem, drückt auf die Tränendrüse, poltert über sich selbst und klärt auf, nach Art des Hauses. [...] Und das nicht nur intelligent, sondern extrem unterhaltsam. [...] Ein weiterer, wichtiger Erfolgsbaustein sind die Marionetten von Michael Pietsch, die Danton, Robespierre, sowie Sankara und Blaise lebendig werden lassen.  [...]  Die höchst riskante und auch kostspielige Inszenierung, für ein Stadttheater bislang noch ohne Vorbild, fährt mit allen Geschützen auf, die ein Theater anbieten kann: Kreativität, Können, Intelligenz, Unterhaltung und nicht zuletzt auch Aufklärung und jede Menge Anregungen, sich mit den verhandelten Themen weiter zu befassen. Eine absolute Empfehlung.“ (www.european-cultural-news.com, Michaela Preiner, 23.11.2918)


„Jan-Christoph Gockel bringt an diesem Abend so einiges zusammen: Europa und Afrika, politisches Theater und Backstage-Komödie, Doku und Fake-Doku, Büchner und Burkina Faso. Die verschiedenen Ebenen der Aufführung sind irgendwann nicht mehr voneinander zu unterscheiden. Dass Gockel die Kritik an seinem Projekt gleich selbst zum Thema macht, ist ein kluger Spielzug, hat allerdings auch eine Nebenwirkung: Man weiß manchmal nicht mehr so genau, worum es jetzt eigentlich geht. Aber meistens ist es vergnüglich und anregend, dabei zuzusehen.“ (Süddeutsche Zeitung, Wolfgang Kralicek, 28.11.2018) 

 

„Eine Grazer Theatergruppe in der Regie des jungen Regiestars ‚Julia Gräfner‘ fährt nach Burkina Faso, um dort ‚Dantons Tod‘ von Georg Büchner zu inszenieren – und gerät, weil die alten, weißen Männer aus dem 18. Jahrhundert am Ende sind, in eine tatsächliche, junge, schwarze Revolution. (…) und das hat, wie vielleicht damals auch bei Christoph Schlingensief, fast schon wahnhafte Züge: (…) die tiefste Form von Empathie und auf die Spitze getriebener Euro-Zentrismus.“ (Theater heute, 1/2019)

 

„Diese Art Fake-Doku hat vor allem ein Ziel: Sich genau jenen Fallen zu stellen, die der postkoloniale Diskurs bei so einem europäisch-afrikanischen Brückenschlag zu offerieren hat. Schauspieler gehen als Schauspieler mit den Werten der europäischen Aufklärung in Burkina Faso hausieren und scheitern damit zwangsläufig.Das ist ziemlich genial. [...] Nach dem Motto ‚Theorie ist die Totenmaske der Erfahrung‘ wirft sich die Regisseurin (herzhaft bossy gespielt von Julia Gräfner) mit ihrem kleinen Ensemble (Raphael Muff, Michael Pietsch und Komi Mizrajim Togbonou) in den culture clash. [...]“ (Der Standard, Margarete Affenzeller, 26.11.2018)